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Bayerischer Gärtnerei-Verband e.V.
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Geschichte / Historie

Wie alles begann...
Wettbewerbsverzerrungen, die Wirtschaftspolitik des Staates, Fragen der Berufsausbildung und des Berufsschutzes, dies waren und sind Themen und Probleme, die eine effektive berufsständische Vertretung fordern.
1906 war dies nicht anders als heute.
Eine zunächst geringe Schar fortschrittlicher Gartenbauunternehmer gründete 1906 in Nürnberg den Bayerischen Gärtnerei-Verband. Die Gründungsversammlung im Saal des "Martin Behaim" hatte Ökonomierat Albert Ortmann initiiert. Seine Mitstreiter der ersten Stunde waren als Gründungsmitglieder die Gärtnereibesitzer Adam, Bausch, Dentler, Neubauer, Roder, Seyschab, Schönmann und Zeißler.
Die frühen Jahre
Erster Vorsitzender des Verbandes wurde Heinrich Toelke (Präsident 1906 - 1914). Der Mitgliederstand von 806 bereits vier Jahre nach der Gründung dokumentiert, wie erfolgreich und ambitioniert die Tätigkeit Toelkes und seines Geschäftsführers Ortmann war.
Zahlreiche Gartenbautage in verschiedenen bayerischen Städten, die Auseinandersetzung mit Markt- und Verkaufsfragen, die Vertretung gartenbaulicher Interessen gegenüber Gesetzgebung und Behörden und nicht zuletzt eine ausgeprägte Öffentlichkeitsarbeit - bereits in diesen frühen Jahren beschäftigte den Bayerischen Gärtnerei-Verband die ganze Palette verbandsrelevanter Themen.
Die Notwendigkeit eines Beitritts zur berufsständischen Hagelversicherung bzw. zur Reichsberufsgenossenschaft waren heiß diskutierte Themen jener Tage.
Aber auch in der Organisation auf Reichsebene wurde man aktiv. Dies fand seinen Niederschlag auch in der Wahl Toelkes zu einem der stellvertretenden Vorsitzenden des Verbandes der Handelsgärtner Deutschlands auf dem zweiten Deutschen Gärtnertag 1913 in Breslau.
Die Weimarer Zeit
Nach dem plötzlich und unerwarteten Tod Toelkes im Jahre 1914 führte Ökonomierat Albert Ortmann (Präsident 1919 - 1925 und 1946) die Geschäfte des Verbandes. 1919 wurde er in das Amt des ersten Vorsitzenden gewählt, welches er bis Mitte der zwanziger Jahre inne hatte.
Die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen, die kennzeichnend waren für die Umbruchsituation in Politik und Wirtschaft der Weimarer Republik, machten selbstverständlich auch vor dem Gartenbau nicht halt.
Die Lösung drängender Tarifprobleme kostete viel Arbeit, im Vordergrund der Verbandspolitik allerdings stand die Frage nach der bis dahin ungeklärten Rechtstellung des Gartenbaus: Die Frage, ob der Gartenbau dem Gewerbe angehört oder als ein Teil der Landwirtschaft anzusehen ist, war von vitalem Interesse, 1928 klärte Professor Lutz Richter in einem grundlegenden Rechtsgutachten, dass der Gartenbau unzweifelhaft zur Urproduktion gehört.
Mit Ökonomierat Johann Baptist Bauberger (Präsident 1925 - 1933) aus München übernahm 1925 ein neuer Vorsitzender die Führung des Verbandes. Bauberger bekleidete dieses Amt bis zur Gleichstellung der Verbände am 11. Mai 1933. Er engagierte sich besonders in den Handelsvertragsverhandlungen mit Italien, war aber auch an dem "Erlass der Vorschriften über Lehrbetriebe und Gärtnergehilfenprüfungen" federführend beteiligt.
1932 fand unter dem Vorsitz Baubergers in Passau der letzte Verbandstag vor dem zweiten Weltkrieg statt.
Im sogenannten "Vier-Minister-Erlass" wurde am 15. Mai 1933 die Zugehörigkeit des Gartenbaus zur Urproduktion nochmals unzweideutig bestätigt, ein berufspolitischer Entscheid von eminenter Bedeutung.
Der grüne Wiederaufbau
Bereits kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges begannen Gespräche zur Vorbereitung der Wiedergründung des Bayerischen Gärtnerei-Verbandes. In Nürnberg wurde der Verband unter dem Vorsitz Albert Ortmanns mit Wirkung zum 15. Juli 1946 wiedergegründet. Im selben Jahr trat Ortmann seines hohen Alters wegen von seinem Amt zurück und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zum neuen ersten Vorsitzenden des Verbandes wählte man Senator Friedrich Baur (Präsident 1946 - 1952) aus München.
Mit der Lizenzerteilung vom 28. November 1946 erkannte das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den Bayerischen Gärtnerei-Verband offiziell an. Darauf folgte die eigentliche Arbeit jener Tage:
In den ersten Nachkriegsjahren konzentrierten sich alle Anstrengungen auf den Wiederaufbau: Das Aushandeln von Kontingenten existentieller Betriebsmittel wie Brennstoff, Glas, Saatgut, Dünger u.ä. war ausgesprochen zeitaufwendig und ließ sich mitunter nur mit viel Geschick und Zähigkeit bewerkstelligen. Trotz widrigster Umstände leisteten die im Verband zusammengeschlossenen Betriebe gerade in jener Zeit des Mangels und der Not einen kaum zu überschätzenden Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung.
Das Gesetz über den Bayerischen Senat legte fest, dass von den elf Vertretern der Landwirtschaft einer dem Gartenbau anzugehören hat. Dementsprechend wählte die Landesversammlung des Bayerischen Bauernverbandes Friedrich Baur in den Senat.
Als sich der Berufsstand auf Bundesebene reorganisierte, trat der Bayerische Gärtnerei-Verband dem "Zentralverband des deutschen Gemüse-, Obst- und Gartenbaues" bei.
Erfolgreiche Wirtschaftswunderjahre
1952 trat Senator Ludwig König (Präsident 1952 - 1970) aus München die Nachfolge von Friedrich Baur an. Bis zu seinem Tod im Jahre 1970 blieb er erster Vorsitzender des Verbandes und vertrat ihn im Bayerischen Senat. Sein engster Mitarbeiter war während dieser Jahre Geschäftsführer Willibald Wex, dessen Nachfolge 1968 Helmut Keck antrat.
1970 übernahm Karl Bschorr (Präsident 1970 - 1976) die Führung des Verbandes und damit auch seine Vertretung im Senat. Mit der Verabschiedung der neuen Satzung am 7. Oktober 1972 in Bad Reichenhall wurden die organisatorischen Voraussetzungen für die nächsten Jahre geschaffen.
Ziele und Aufgaben des Verbandes hingegen blieben unverändert die Vertretung und Förderung der Gesamtinteressen des bayerischen Gartenbaus in allen Bereichen, ganz besonders natürlich gegenüber Parlament und Behörden.
Neuorientierung und Strukturwandel
1976 wurde Senator Georg Evers (Präsident 1976 - 1991) Präsident des Bayerischen Gärtnerei-Verbandes. Unter seiner Führung erfolgte eine Neuausrichtung der Fachgruppenarbeit. Gleichzeitig musste dem sich abzeichnenden raschen Strukturwandel in der Verbandsarbeit entsprochen werden. Für den Verband war es notwendig, mit einer klaren, positiven Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit präsent zu sein und gleichzeitig in Politik und Gesellschaft verstärkt um Verständnis zu werben für die spezifischen Belange des Gartenbaus.
Unter der Führung von Georg Evers engagierte sich der Verband bei der Gründung und Entwicklung der bayerischen Landesgartenschauen. Gemeinsam mit dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern e.V. und dem Bund deutscher Baumschulen - Landesverband Bayern wurde hierfür die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen gebildet, die seither mit großem Erfolg tätig ist und Grünflächen und Naherholungsgebiete für die städtische Bevölkerung von bleibendem Wert geschaffen hat.
Ein Höhepunkt war 1983 die IGA 83 in München, die mit fast 12 Mio Besuchern und einer eindrucksvollen internationalen Beteiligung zu einem herausragenden Ereignis wurde.
Chancen nutzen, Entwicklungen aktiv mitgestalten
1991 übernimmt Benno Basso das Amt des Präsidenten im Bayerischen Gärtnerei-Verbandes. Er führt die Politik seines Vorgängers konsequent weiter. Es gilt, Risiken zu minimieren und Härten für die Mitglieder abzupuffern. Ebenso wichtig ist, die Initiative zu ergreifen, Chancen zu erkennen und zu nutzen sowie eigenständig Visionen zu entwickeln und aktiv mitzugestalten, wo immer Interessen des Gartenbaues berührt werden.
2003 tritt Geschäftsführer Helmut Keck in den Ruhestand. In seiner 35 jährigen Tätigkeit legte er die Fundamente vieler berufsständischer Einrichtungen und hat die Struktur des Verbandes mit seinen nachgeordneten Wirtschaftsorganisationen entscheidend mitgestaltet. Zum neuen Geschäftsführer wird sein langjähriger Stellvertreter Volker Asimont berufen.
2006 wird Roland Albert in Marktredwitz zum neuen Präsidenten des BGV gewählt.
Der sich beschleunigende Strukturwandel und die damit einhergehenden einschneidenden Änderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fordern vom Verband eine neue und intensivierte Mitgliederbetreuung: Die Betriebe müssen über Entwicklungstendenzen und Alternativmodelle ausführlich informiert und beraten werden.
Entscheidungshilfen zur Betriebsführung sind ebenso erforderlich, wie nachhaltige Unterstützung bei den Anstrengungen, die die Mitglieder zur Anpassung an die sich veränderten Strukturen unternehmen.
Das Informationszeitalter macht auch vor dem Gartenbau nicht halt: Die Notwendigkeit, auf Herausforderungen flexibel zu reagieren, neuen Entwicklungen Rechnung zu tragen und gleichzeitig die eigene, unverwechselbare Identität zu wahren und nach außen aufmerksamkeitsstark zu vertreten - All dies macht eine schlagkräftige, repräsentative und finanziell unabhängige Berufsvertretung heute mindestens so unverzichtbar wie früher.